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Land der Überraschungen: Ein serbisches Mädchen in Deutschland

Vor etwa 4 Jahren kam ich nach Deutschland, um mein Masterstudium zu absolvieren. Ich muss zugeben, dass es nicht immer einfach war. Ganz alleine, ohne Freunde oder Familie die auf mich gewartet hätten, bin ich hierher gekommen. Zum ersten Mal in meinen Leben war ich länger als 3 Monate von Zuhause weg. Ich bin in eine ganz andere Kultur eingetaucht und konnte dadurch vieles über mich selbst lernen. Ich meisterte viele Herausforderungen und bekam teilweise einen richtigen Kulturschock. Eins hatte ich dabei aber immer: viel Spaß.

Als ich mich für einen Umzug nach Deutschland entschied, sagten mir viele: „Du bist verrückt! Wie kannst du ganz alleine in ein anderes Land ziehen?“ Ich hab’s trotzdem durchgezogen – und es nicht bereut. Deutschland ist ein sicheres Land, voller Möglichkeiten, Überraschungen und netter Menschen. Ich hätte mir an Anfang nicht vorstellen können, wie viele Türen sich mir öffnen sollten. Natürlich ist hier vieles anders als in meinem Heimtland Serbien, einiges hat mich trotzdem sehr überrascht. Deswegen möchte ich gerne von einige Erlebnissen erzählen, die ich ich so nicht erwartet hätte.

Arbeiten um zu leben

Eine der größten Überraschungen, die ich nach meiner Ankunft in Deutschland erlebte, war die ausgeglichene Work-Life-Balance. Es widersprach dem klassischen Vorurteil, dass Deutsche nur arbeiten und keinen Spaß haben. In Wirklichkeit ist es oft ganz anders. Wenn Deutsche arbeiten, sind sie zwar sehr konzentriert und lassen sich kaum ablenken. Aber ihre Freizeit ist ihnen heilig: Sie verfolgen ihre Hobbys in jedem Alter und geben sich wirklich Mühe die arbeitsfreie Zeit auszunutzen. Außerdem gibt es auch mehr Feier- und Urlaubstage als ich erwartet hätte. FLYLINE gewährt jedem Mitarbeiter mindestens eine Woche mehr Urlaub als gesetzlich vorgeschrieben – bei Kollegen die über 30 Jahre alt sind, sind es sogar zwei Wochen mehr.

Sprechen Sie Deutsch?

Die zweite Überraschung war die deutsche Sprache. Normalerweise habe ich ein Talent für Fremdsprachen – immerhin habe ich auch Sprachen und Sprachwissenschaften studiert. Und da Deutsch genau wie Englisch zu den germanischen Sprachen zählt, hatte ich erwartet, dass ich es relativ schnell lernen kann. Eins hat die Sache jedoch erschwert: Ich bin mir sicher, dass ich Deutsch viel schneller gelernt hätte, wenn ich vorher kein Englisch gesprochen hätte. Warum? Weil die Deutschen sehr schnell ins Englische wechseln, wenn sie bemerken, dass eine Person Probleme hat Deutsch zu sprechen. Das ist einerseits natürlich sehr nett, macht das Deutschlernen andererseits noch schwieriger. Denn der beste Weg eine Sprache zu lernen, ist sie im Alltag anzuwenden und zu üben. Meiner Erfahrung nach kann man in Deutschland fast alle Angelegenheiten auch auf Englisch erledigen - vielleicht hatte ich aber auch nur viel Glück. Und natürlich bevorzuge ich diesen einfacheren Weg - warum auch mehr Aufwand betreiben als nötig? Leider bedeutet das aber, dass sich mein Deutsch nur langsam, aber immerhin stetig verbessert. Aber ich bin zum Glück nicht die Einzige: Den meisten meiner internationalen Kollegen geht’s genauso.

Ein Schmelztigel der Nationen

Die dritte Überraschung ist das Multi-Kulti in Deutschland. Wenn ich zum Beispiel in einer der großen Städte Deutschlands mit der Straßenbahn oder der U-Bahn fahre, höre ich am liebsten den ganzen Unterhaltungne in verschiedenen Sprachen zu und versuche zu erkennen, um welche Sprache es sich handelt. Das hat wohl auch mit meinem sprachlichen Hintergrund zu tun, aber es macht mir einfach unheimlich Spaß. Als ich zum Studium nach Deutschland gezogen bin, lebte ich in der Nähe von Frankfurt am Main. Und ich kann sagen: bestimmt 50% der Menschen in der Frankfurter U-Bahn sprechen kein Deutsch. Diese Vielfalt bietet viele Möglichkeiten: Ich habe Freunde aus der ganzen Welt und habe unterschiedlichste Bräuche, Speisen und kulturelle Aspekte kennengelernt. Das hat meinen Horizont wirklich erweitert, denn in Serbien gibt es kaum Touristen oder Ausländer. Ich finde, Deutschland wird zum Schmelztiegel der Nationen - genau wie FLYLINE. Die Vielfalt hier gefällt mir am besten: mehr als 50 Nationalitäten in einem Unternehmen. Könnt ihr euch vorstellen, wie viele verschiedene Überzeugungen, Auffassungen und Perspektiven auf die Welt es gibt und wie viel wir voneinander lernen können? Und ganz nebenbei: Die Auswahl an internationalen Speisen ist unglaublich. Jeder von uns bringt ab und zu Leckereien aus seiner Heimat mit oder bereitet traditionelle Gerichte für unsere Teambesprechungen zu. Bei uns wird immer etwas leckeres und exotisches serviert.

Frühstück auf dem Fahrrad

Die letzte Überraschung ist die Abhängigkeit von meinem Fahrrad. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, irgendwohin ohne hinzufahren. Habt ihr schonmal einen irgendwo keinen Fahrradstellplatz oder einen „Fahrrad-Stau“ erlebt? In Bremen kann das während eines Sommerfestivals oder an einem schönen sonnigen Tag in der City schonmal geschehen. Bremen ist sehr flach und fast hügelfrei. Damit ist es perfekt für Fahrräder geeignet – eben eine echte Fahrradstadt. Dazu kommt: Mein Fahrrad bringt mich in nur 10 Minuten zur Arbeit. Ich denke, dass es so gut wie keine Deutschen - oder zumindest Bremer - gibt, der nicht gelernt hat Fahrrad zu fahren. Es ist ein absolutes Muss, gleich nach dem Laufenlernen. Die Fahrradverkehrsinfrastruktur in Bremen ist fantastisch und sehr sicher. Es ist nicht selten, dass ich die Hauptstraßen mit dem Rad entlang fahre, während neben mir Männer und Frauen in Anzug und High Heels radeln, die ihre Kinder im Fahrradanhänger zum Kindergarten bringen. Das ist gut für Umwelt und Gesundheit: Was das angeht, ist Deutschland ein echte Vorbild für andere Länder.

Alles in allem war es ein großer Schritt in meinem Leben, mein Heimatland zu verlassen und nach Deutschland zu kommen. Heute, nach fast vier Jahren in Deutschland, habe ich immer noch das Gefühl, dass ich noch viel über die Traditionen und die Mentalität der Menschen lernen muss. Aber eines ist sicher: Ich bleibe liebend gern hier.

Profil

Funktion bei FLYLINE:
Customer Service Agent

Studium:
Linguistik und Web Technologie an der Universität Marburg sowie Englische Sprache und Literatur an der Universität Nis in Serbien

Bei FLYLINE, weil …
… sie dort die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit Menschen aus der ganzen Welt findet.

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